
März 2007 / März 2009 / Mai 2011 Da die Entwicklung von Großbild- Negativen extrem teuer ist, wenn man sie außer Haus gibt, habe ich mich entschlossen, dieses selbst zu erledigen. Um möglichst Temperatur- stabil zu arbeiten, habe ich mir eine Styroprbox besorgt und den halbierten Deckel mit Holzleim aufgeklebt. In dem Deckel sind Löcher, in welche Injektionsspritzen gesteckt werden können. Die Styroporbox dient als Wasserbad, welches möglichst lange den Inhalt auf Temperatur hält und gleichzeitig den Inhalt der Injektionsspritzen erwärmt.
Das Entwickler- Kit von Tetenal ist dafür hergestellt um jeweils 1 Liter Entwickler, Bleichfixierer und Stabilisator herzustellen. Man könnte nun im Dunkeln eine klassische Schalenentwicklung durchführen. Das Problem dabei ist, das sich die Lösungen, insbesondere der Entwickler, verbrauchen. Dieses Nachlassen der Aktivität muss nun durch verlängerte Entwicklung kompensiert werden. Meine Technik basiert nun darauf, nur jeweils 20 ml des Entwicklers zu benutzen und bei jedem Negativ frischen Entwickler zu benutzen. Rein rechnerisch könnte ich mit einem Tetenalkitt (1l) 50 Planfilm- Farb- Negative entwickeln. Auf dem freien Markt würde mich das mindestens 250,- € kosten. Ich muss allerdings auch gestehen, das die ersten Filme und das erste Entwickler- Kit zu Testzwecken verballert worden sind.
Wie läuft das Verfahren jetzt praktisch ab? Man benötigt 3 kleine Spritzen mit Injektionsnadeln, mit denen sich jeweils 2 ml dosieren lassen können. Meine sind etwas zu groß, ich werde sie demnächst gegen kleinere ersetzen. Eine große Spritze mit 20 ml Fassungsvermögen für den fertig an gemischten Entwickler und zwei weitere 20 ml Spritzen für Bleichbad und Wasser. Des weiteren braucht man eine Trommel oder Röhre, die lichtdicht ist und wasserdicht verschlossen werden kann. Mit etwas Glück findet man auf dem Flohmarkt eine alte Entwicklerdose für Kleinbildnegative, die sich sicher dazu verwenden lässt. Ein selbst umgearbeitetes Plastikrohr ist aber auch gut zu verwenden. Alternativ ist es auch möglich, eine Kunststoff – Getränkeflasche eines bekannten Getränkeherstellers zu köpfen (es muss das Negativ hineinpassen). Hierbei muss dann aber die ganze Zeit in absoluter Dunkelheit gearbeitet werden. Achtung! Form und Maße der Trommel bestimmen letzten Endes die Menge an Entwickler, die mindestens benötigt wird um das Negativ komplett zu benetzen. Die von mir angegebenen 20 ml können in anderen Trommeln zu wenig sein! Ansetzen der Lösungen: Bleichfixierer und Stabilisator werden nach Angaben des Herstellers auf je einen Liter angesetzt und in Entwicklerschalen gegossen. Diese beiden Lösungen werden immer wieder benutzt und daher nach Gebrauch wieder in die Flaschen gefüllt. Der Entwickler wird erst kurz vor der Entwicklung gemixt. Je 2 ml der drei Stammlösungen werden mit Hilfe der drei kleinen Spritzen in die große 20 ml Spritze gegeben, in der sich bereits 14 ml Wasser befinden.
Die Styroporbox wird mit Wasser gefüllt welches anschließend auf 38 Grad erhitzt wird. Ich benutzte dazu einen Tauchsieder. Man kann aber auch Wasser auf dem Herd erhitzen. Die gefüllten Spritzen mit Wasser, Entwickler und Bleichbad werden in die Löcher des Styropordeckels gesteckt damit die Flüssigkeiten sich erwärmen können. Praktischer weise werden die Spritzen verschlossen. Dazu gibt es spezielle Verschlüsse, es reicht aber auch, eine Injektionsnadel mit der Zange zu zu kneifen. In absoluter Dunkelheit wird der Planfilm in die Trommel gesteckt. Er soll mit der Rückseite an der Trommelwand liegen, die Schichtseite nach innen, damit die Chemikalien dort ungehindert drüber fließen können. Wenn man das Negativ in der Hand hält und auf die Schichtseite blickt, befinden sich oben rechts ausgeschnittene Markierungen am Film die man auch im Dunkeln gut fühlen kann.
Die eigentliche Entwicklung findet dann im Hellen statt. In die Trommel wird 20 ml Wasser gegeben und diese langsam und möglichst gleichmäßig in dem Wasserbad gedreht. Die Spritze wird sofort wieder mit Wasser aus der Box gefüllt. Nach ca. einer Minute wird das Wasser ausgekippt und gegen neues ersetzt. Bei dem, von mir benutzten Film löst sich eine grüne Farbe ab, die mit dem Wasser rausgespült wird. Ich wiederhole diese Vorwässerung so oft, bis das Wasser klar aus der Trommel kommt. Die Vorwässerung weicht auch die Gelatineschicht des Films gleichmäßig auf, so das die fiesen kleinen Luftbläschen keine Chance bekommen, den Entwickler von der Schicht fern zu halten. Diese Bläschen erkennt man an kleinen, unzureichend entwickelten Stellen im Negativ. Ist die Vorwässerung zu Ende sollte die Temperatur in der Box genau 37 Grad betragen. Nun wird der Entwickler in die Box gefüllt und diese genau wie bei der Vorwässerung im Wasserbad gedreht. Man kann abwechselnd vor und zurück drehen um die Gleichmäßigkeit zu steigern. Die Entwicklungszeit beträgt bei mir 4 Minuten. Das kann bei Ihnen ganz anders sein, daher sind Probebilder unverzichtbar. Nach der Entwicklung wird bei mir noch mal mit sehr viel Wasser gewässert, was aber nicht unbedingt nötig ist. Ich bilde mir ein, die nachfolgende Bleichfixierlösung nicht so stark mit Entwickler zu verschmutzen. Die Bleich- Chemie wird nur kurz (ca. 1 Minute) in der Trommel einwirken gelassen (drehen nicht vergessen) um den Entwicklungsprozess gänzlich zu stoppen. Nun kann die Trommel (im Licht) geöffnet werden und der Planfilm wird in die Schale mit der Bleichfixierlösung gelegt. Die Zeit ist hierbei nach oben hin unkritisch. Werden
mehrere Negative hintereinander
entwickelt, lasse ich die ersten hier so zu sagen zwischenlagern. Soll der Film schnell trocken werden ohne Rücksicht auf Sauberkeit, kann man ihn mit den Händen abwischen und vorsichtig über der Flamme des Gasherds wedeln. Das geht irre schnell, kann aber auch das Negativ wellig werden lassen. Die hier beschriebene Technik kann auch auf Schwarz- Weiß- Negative oder Diafilme im Großformat angewendet werden. ADOX 100 Art Den Schwarz-Weiß- Film Adox 100 belichte ich wie 50 ISO. Die Entwicklung erfolgt in der oben beschriebenen Anlage. Als Entwickler benutze ich Tetenal Neofin Blau in der Verdünnung 3 ml Entwickler plus 17 ml Wasser. Ich lasse den Film 2 Minuten vorwässern, dann erfolgt die Entwicklung bei 22 Grad Celsius Temperatur im Styroporbecken für 6 Minuten. Anstatt einer Stoplösung schalte ich eine weitere Wässerung von etwa 2 Minuten Dauer ein. Daran anschließend erfolgt die Fixierung für etwa 2 Minuten in der Trommel, anschließend in der Schale (doppelte Klärzeit). Danach folgt die Wässerung, je länger, um so besser. Ilford 100 Delta Auch diesen Film belichte ich wie 50 ISO. Die Entwicklung erfolgt wie oben beschrieben bei 22 Grad Celsius Temperatur im Styroporbecken für 4 Minuten mit Tetenal Neofin Blau 2 ml plus 18 ml Wasser, also 1:10 verdünnt. Ich meine, der 100 Delta ist schon feinkörniger und bringt auch mehr an Schärfe als der Adox. Test der Möglichkeit, die Tetenal- Chemie einzufrieren Im April 2009 starte ich einen Langzeittest um zu ermitteln ob man die Chemikalien der Tetenal C 41 Entwicklung einfrieren kann und wie lange die Ergebnisse der Entwicklungen brauchbar sind. Die Lösungen des Bleichbads und der Stabilisierlösung werden nicht eingefroren da ich der Meinung bin das die Zeiten hier weniger kritisch sind und das Bleich- Fixierbad bei mir eh nach Sicht angewendet wird. Von den 3 Teillösungen des Entwicklers friere ich jeweils 70 kleine Kunststoffgefässe mit jeweils 2 ml Lösung in meinem 3-Sterne Gefrierfach im Kühlschrank ein. Für die Entwicklung eines 9x12 (4x5) Negativs verwende ich dann jeweils eins der Gefässe. Die restlichen 30 ml der Lösungen bleiben in den Originalflaschen und werden ebenfalls eingefroren. 1. Frage: Können die Lösungen mehrmals eingefroren und wieder aufgetaut werden? 2. Frage: Wie lange können die Lösungen eingefroren bleiben? 3. Frage: Können die Lösungen überhaupt eingeroren werden ohne Schaden zu nehmen? Am 8.4.2009 habe ich 4 Negative (Kodak 160 NC) in der Plaubel Kamera mit gleichen Werten belichtet und das erste der 4 Negative mit aufgetauter Chemie aus den Originalflaschen entwickelt. Das Negativ sah völlig normal aus. Die Lösungen wurden sofort wieder eingefroren.
6.12.2009
Eines der 4 Testnegative wird mit den aufgetauten Chemikalien nach obiger Anleitung entwickelt. Das das Negativ bereits im April belichtet wurde, habe ich die Entwicklungszeit auf 5 Minuten (statt 4 Minuten) verlängert. ![]() Ergebnis: Auch nach 8 Monaten im Eisfach und mehrmaligen Auftauens ist die Chemie noch zu gebrauchen. Die Entwicklungszeit hätte ich nicht zu verlängern brauchen, das Negativ ist deutlich dunkler/dichter ausgefallen als jenes vor 8 Monaten (das Positiv ist somit heller geworden). Es ist aber trotzdem noch brauchbar. 19.05.2011 3. Zeitwert Gleiches Vorgehen wie beim 2. Zeitwert außer das die Entwicklungszeit nicht verlängert wurde. Es handelt sich immer noch um exakt die gleichen Chemikalien, die vor 2 Jahren eingefroren (Entwickler), bzw. gebrauchsfertig angemischt ( Bleichbad u. Stabilisator ) in den Schrank gestellt wurden. Ergebnis: Auch 2 Jahre Einfrieren und gelegentliches Auftauen schaden den Chemilkalien nicht. Die Lösungen in den Original- Flaschen sind nun auch verbraucht, ich habe nur noch die portionierten Röhrchen a. 2 ml von jeder der 3 Teillösungen des Entwicklers. |