Ältere Kameras oder Optiken, besonders die von Großformat- Kameras, haben die Angewohnheit, mit den Jahrzehnten in der Verschlussmechanik nach zu lassen. Das Räderwerk im Inneren wird schwergängiger und damit auch langsamer, was zur Folge hat, das die Bilder zu lange belichtet werden. Wahrscheinlich liegt das an ausgeleierten Federn und verharzten Ölen.
Mit dem Computerprogramm Audacity ist man in der Lage, die Verschlusszeiten über die Geräuschentwicklung beim Öffnen und Schließen zu messen. Audacity kann frei aus dem Internet heruntergeladen werden und ist für Windows als auch für Linux verfügbar. Das Programm ist ein Audio- Editor. Es können mit seiner Hilfe Manipulationen an Audio- Files vorgenommen werden, was für unsere Zwecke aber nicht von Nöten ist.
Zusätzlich wird noch ein Mikrofon benötigt, welches in den entsprechenden Eingang der Soundkarte des Rechners gesteckt wird.
An meinem Rechner, der mit Suse Linux 10.2 läuft, nehme ich am Soundmixer (Lautsprechersymbol in der Taskleiste anklicken und Mixer wählen) folgende Einstellungen vor, um ein möglichst sichtbares Signal zu bekommen: Am Reiter „Schalter“ wird die Option „MicBoost“ eingeschaltet. Im Reiter „Eingänge“ wird das Mikrofon ganz hoch geregelt. Welche Einstellungen bei anderen Ausgangswerten oder anderen Betriebssystemen vorgenommen werden müssen, kann ich nicht sagen. Eine gewisse Zeit zum probieren wird man wohl einplanen müssen. Im Prinzip könnte man auch das Mikrofon über einen Verstärker laufen lassen und dann erst in den Eingang der Soudkarte. Falls das mal jemand ausprobiert ..... lasst es mich wissen.
Im Prinzip ist das Verfahren ganz einfach. Wir nehmen das Geräusch, das beim Öffnen und Schließen der Optik oder Kamera entsteht, auf, indem wir oben links den roten Button anklicken. Wir stoppen die Aufnahme mit dem gelben Quadrat und können an der Zeitskala ablesen, wie lange der Vorgang der Belichtung gedauert hat. Zur besseren Sichtbarkeit kann man nach der Aufnahme im Feld „Tonspur“ das kleine Dreieck anklicken. In dem erscheinenden Menü sind verschiedene Einstellungen möglich. Bei mir haben sich die Option „Wellenform (dB)“ oder die Option „Spektrum“ bewährt.

Mit der Lupe kann das Diagramm vergrößert und die Zeitachse gedehnt werden. Das erhöht die Genauigkeit der Ablesung.

In meinem Beispiel wurde ein Schneider Kreuznach Symmar 1:1,5/ 150mm bei 1/5 sec. eingestellt und gemessen.
Das erste Geräusch tritt bei ca. 1.0826 sec. auf, das letzte bei ca. 1,3061 sec. Die Differenz beträgt also 0,2235 sec. was demnach recht genau bei dem Wert von 0,2 sec. (1/5 sec.) liegt.
Die korrigierten Werte können als Tabelle ausgedruckt neben das Objektiv auf die Halteplatte der Kamera geklebt werden.